Bhagavad Gita 13.29
Kshetra Kshetrajna Vibhaga Yoga · Deutsche Übersetzung
समं पश्यन्हि सर्वत्र समवस्थितमीश्वरम् | न हिनस्त्यात्मनात्मानं ततो याति परां गतिम् ||१३-२९||
samaṃ paśyanhi sarvatra samavasthitamīśvaram . na hinastyātmanātmānaṃ tato yāti parāṃ gatim ||13-29||
Was bedeutet dieser Vers?
In diesem Vers erklärt Krishna Arjuna, dass die Weisheit darin besteht, den einen Herrn (Gott) überall gleich als das Selbst in allem zu erkennen. Wer diese Einheit wahrnimmt, verletzt niemals das eigene Wesen oder andere durch sein eigenes Handeln, da er keine Trennung mehr sieht. Durch dieses tiefe Verständnis des Nicht-Dualismus erreicht der Weise schließlich die höchste Zielsetzung und Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod.
Die Lehre dahinter
Dieser Vers steht im Zentrum der Jnana Yoga (Weg des Wissens) und entwickelt das Konzept von Advaita Vedanta, also dem Nicht-Dualismus. Er verbindet die Erkenntnis, dass Brahman (das Absolute) in jedem Wesen gleichsam wohnt, mit den Prinzipien des Karma Yoga, da diese Einsicht automatisch zu einem Handeln führt, das keine negative Karmasammlung erzeugt.
Wort für Wort
Klassischer Kommentar
Wo dies geschieht
Dieser Vers findet auf der Schlachtstätte Kurukshetra statt, wo Krishna gerade beginnt, Arjuna die tiefere Natur des Selbst (Atman) und des Feldes (Kshetra) zu erklären. Nach einer ausführlichen Unterscheidung zwischen dem vergänglichen Körper und dem unveränderlichen Geist hat Krishna nun den Übergang zur Erkenntnis der göttlichen Präsenz in allem vollzogen. Der gerade erst von Arjuna gebetete Zustand, durch Lähmung vor Pflichtverletzung gelähmt zu sein, beginnt sich hier in ein tiefes philosophisches Verständnis des Nicht-Angehörigkeitsprinzips zu verwandeln.
Anwendung für heute
Stell dir eine Situation im Büro vor, in der du einen Fehler eines Kollegen bemerkt hast und sofortiger Ärger dich überkommt. Anstatt ihn streng zur Rede zu stellen oder innerlich gegen ihn zu wüten, erkennst du plötzlich die gleiche menschliche Natur und den gleichen Willen zum Besten wie bei dir selbst an ihm. Diese Perspektive verhindert Hass und zerstörerische Handlungen, da du verstehst: 'Er ist nicht mein Feind, er ist ein anderer Ausdruck desselben Lebensprinzips'. Dadurch bleibst du ruhig und handelst konstruktiv statt destruktiv.
Für Kinder erklärt
Stell dir vor, du hast viele verschiedene Spielzeuge im Zimmer liegen, aber alle bestehen aus derselben Art von plastischem Material. Wenn du verstehst, dass das Auto, der Ball und die Puppe am Ende alles nur dieses eine Material sind, dann wirst du sie nicht mehr zerschneiden oder kaputt machen wollen. Genauso sieht Krishna uns an: Der Herr wohnt in jedem Lebewesen gleichsam drin. Wer das versteht, tut niemandem weh, weil er weiß, dass alle ein Teil von demselben großen Ganzen sind.
Tägliche Betrachtung
Stell dir vor, du sähest denselben Herrn überall als das gleiche Licht inmitten von Freude und Leid, in Freunden wie auch in Feinden. Wenn du dieses tiefe Gleichgewicht erlangst, hörst auf, dich selbst durch eigene Vorurteile oder den Stolz des Egos zu verletzen. Diese Erkenntnis befreit dich vom Kreislauf der Sünde und führt dein Herz sicher zur höchsten Zielsetzung.
Eine Übung für heute
Schließe die Augen und stelle dir vor, wie der Herr (Īśvara) in jedem Lebewesen gleichsam wohnend ist. Spüre diese eine Präsenz im Inneren aller Wesen nach, ohne sie zu unterscheiden oder zu verurteilen.
Kernlehren
- Die Einheit im Ganzen
Der Weise erkennt, dass der Herr überall gleichsam wohnend ist und somit alle Unterschiede in den Geschöpfen transzendiert. Diese Wahrnehmung löst die Illusion von Trennung auf, da man das Eine im Vielen sieht. - Verzicht auf Selbstverletzung
Wer Gott überall als identisch betrachtet, vernichtet nicht durch sein eigenes Ego oder seine Handlungen andere Wesen. Dieses Verhalten befreit den Suchenden von der Last des karmischen Verursachens. - Der Weg zur höchsten Befreiung
Die Erkenntnis dieser allumfassenden Präsenz ist direkt mit dem Erreichen parāṃ gatim, also der höchsten Zielsetzung oder Befreiung, verknüpft. Sie markiert den Übergang vom individuellen Streben zum vereinenden Frieden.
Themen
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Lies als Nächstes
- 13.28 — Dieser Vers führt direkt in die Betrachtung der Gleichheit ein und erklärt, wie man Gott im eigenen Selbst erkennt.
- 6.29 — Er beschreibt den Yoga des allumfassenden Sehens, bei dem alle Wesen als gleich angesehen werden.
- 13.27 — Dieser Vers erläutert die Grundlage der Erkenntnis: dass das Selbst überall im Herzen wohnt und alles durchdringt.
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