Bhagavad Gita 13.8

Kshetra Kshetrajna Vibhaga Yoga · Deutsche Übersetzung

Bhagavad Gita 13.8 — "Demut, Ungekränktheit, Gewaltlosigkeit, Geduld, Aufrichtigkeit, Verehrung des Lehrers, Reinheit, Sta"
Bhagavad Gita 13.8 — Kshetra Kshetrajna Vibhaga Yoga
Sanskrit

अमानित्वमदम्भित्वमहिंसा क्षान्तिरार्जवम् | आचार्योपासनं शौचं स्थैर्यमात्मविनिग्रहः ||१३-८||

Transliteration

amānitvamadambhitvamahiṃsā kṣāntirārjavam . ācāryopāsanaṃ śaucaṃ sthairyamātmavinigrahaḥ ||13-8||

Was bedeutet dieser Vers?

In diesem Vers listet Krishna Arjuna neun charakterliche Tugenden auf, die für das Verständnis der wahren Natur des Selbst notwendig sind. Diese Eigenschaften umfassen Demut, Gewaltlosigkeit, Geduld und Aufrichtigkeit als Fundament einer spirituellen Lebensweise. Sie bilden den ersten Schritt zur Unterscheidung zwischen dem vergänglichen Körper (das Feld) und dem ewigen Bewusstsein (dem Kenner des Feldes). Ohne diese Tugenden ist es unmöglich, die tieferen Lehren der Vedanta zu verwirklichen.

Die Lehre dahinter

Dieser Vers gehört zum Bereich des Jnana Yoga (Weg der Erkenntnis) innerhalb der Lehren des Sankhya-Systems. Er entwickelt das Konzept, dass bestimmte ethische Qualitäten die Voraussetzung für den 'Viveka' oder die Unterscheidungsfähigkeit sind, um zwischen dem vergänglichen Feld (Körper und Geist) und dem ewigen Kenner des Feldes zu unterscheiden.

Wort für Wort
अमानित्वम् humility, अदम्भित्वम् unpretentiousness, अहिंसा noninjury, क्षान्तिः forgiveness, आर्जवम् uprightness, आचार्योपासनम् service of the teacher, शौचम् purity, स्थैर्यम् steadiness, आत्मविनिग्रहः selfcontrol
Klassischer Kommentar
These are the alities that constitute wisdom or lead to wisdom. These are the attributes of the man whose mind is turned towards the inner wisdom. If these characteristics are seen in a man in their entirety, you can infer that the knowledge of the Self has dawned in him. Humility It is the negation of vanity. It is absence of selfesteem or selfpraise. The basis of pride is the consciousness of possessing something (wealth, knowledge, strength, beauty and virtuous alities) in a larger measure than others. A proud man possesses at least something but a man of vanity possesses nothing and yet he thinks he is superior to others. Vanity is exaggerated pride. A humble man dislikes respect, honour and praise. He shuns fame and distinction. He never shows his knowledge, ability, prowess, etc. He never praises himself. Absence of hypocrisy Hypocrisy is the desire to appear what one is not. A Sannyasi has some virtues and a little theoretical knowledge derived from books. He pretends to be a liberated sage. This is religious hypocrisy. A man in whom this is absent is simple and modest. He never advertises his own virtuous alities in order to get respect, name and worship from others. He will never disclose any meritorious or charitable act done by him. He is free from pedantry. He will never sell his knowledge in order to achieve fame. Ahimsa Noninjuring of any living being in thought, word and deed. He who practises Ahimsa places his feet very carefully on the ground and avoids stepping on any living creature. If he perceives any living creature in front of him he stops and turns to the other side. His heart is full of compassion. Kshanti Forbearance, patience, forgiveness. This is a true symptom of knowledge. The man of wisdom puts up with everything. He is not affected a bit when others injure him. He never retaliates. He bears insult and injury calmly. Arjavam Straightforwardness. The man of wisdom is upright or straightforward. He is free from cunningness or diplomacy, doubledealing or crookedness. He is ite frank, candid or openhearted. He does not hide anything. His thoughts and words agree. He speaks his mind openly to the people. He is as simple as a child in his speech. He has a heart as pure as a crystal. He never cheats others. Service of the teacher Devotion to the preceptor, worship of the Guru doing acts of service to him who teaches BrahmaVidya or the means of attaining liberation. Acharya is the Master in whom the divine wisdom is embodied. Service of the Guru enables the aspirant to attain Selfrealisation. The aspirant adores his Guru as Brahman? God Himself. He worships him as Lord Vishnu. He superimposes on him all the attributes of Brahman or Lord Vishnu. He realises Brahman in and through his Guru. This is the fruit of devotion to the Guru. For a student of Vedanta devotion to the Guru is absolutely necessary. Even for a correct understanding of the scriptures the guidance of a Guru is necessary. Purity is of two kinds, external and internal purity. External purity is cleansing of the physical body with earth and water. Internal purity is cleansing of the mind of the dirt of attachment, hatred and other passions, by the method of Pratipaksha Bhavana, i.e., by cultivating the opposite positive virtues, and by the recognition of the evil in all objects of the senses. Steadfastness The aspirant never leaves his efforts on the path of salvation even though he comes across many stumbling blocks on the path. This is steadfastness or firmness. No meditation on Brahman is possible with a fickle mind. Selfcontrol is control of the aggregate of the body and the senses. The senses and the body which naturally run externally towards the sensual objects are checked and directed on to the path of salvation. No meditation is possible in a body wherein the senses are out of control and distract attention.

Wo dies geschieht

Dieser Vers findet auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra statt, wo der Weise Krishna als Charioteer für den Prinzen Arjuna spricht. Kurz zuvor hat Arjuna seinen Mut verloren und lehnt es ab, gegen seine eigenen Verwandten zu kämpfen, erliegt also seiner Verwirrung und emotionalen Bindung an das Ego. In dieser entscheidenden Phase des Lehrgangs beginnt Krishna nun mit der Definition dessen, was wahre Weisheit ausmacht, bevor er zur eigentlichen Unterscheidung zwischen Körper und Seele übergeht.

Anwendung für heute

Angesichts eines konfliktreichen Gesprächs am Arbeitsplatz ist es leicht, sich zu rechtfertigen oder wütend zu werden; doch die Lehre dieses Verses fordert Sie auf, stattdessen 'Stahl in der Weichheit' zu üben: Bleiben Sie demütig und hören Sie aktiv zu (ārjavam), verzeihen Sie sofortige Missverständnisse ohne Groll (kṣānti) und unterdrücken Sie den Impuls zur Reaktion aus Wut (ātma-vinigraha). Anstatt Ihre Autorität durch Lautstärke zu behaupten, zeigen Sie Stärke durch Standhaftigkeit in Ihrem Charakter. Diese innere Ruhe ermöglicht es Ihnen, die Situation klarer zu sehen und eine Entscheidung zu treffen, die nicht von kurzfristigen Emotionen getrieben ist.

Für Kinder erklärt

Stell dir vor, dein Herz ist wie ein kleiner Garten. Damit in diesem Garten schöne Blumen wachsen können und keine Unkrautstängel das Wachstum behindern, musst du gut auf ihn achten. Krishna sagt Arjuna: 'Du brauchst Demut wie eine dicke Decke für deine Gefühle, Gewaltlosigkeit als sanftes Wasser zum Gießen und Geduld als starke Wurzeln.' Wenn du diese Eigenschaften in dir pflegst – nicht nur mit den Händen, sondern auch im Herzen –, wirst du sehen, dass dein innerer Garten voller Licht und Frieden ist.

Tägliche Betrachtung

Liebe Seele, heute lade ich dich ein, die Schwere deines eigenen Ichs abzulegen und stattdessen in der leichten Kraft der Demut zu wandeln. Wenn du auf deinen Lehrer oder einen Wegweiser blickst, erinnere dich daran, dass wahre Reinheit im Herzen erst beginnt, wenn das Ego schweigt. Übe heute mit sanfter Geduld den Frieden von Gewaltlosigkeit und sei fest in deiner Aufrichtigkeit, denn darin findest du die wahren Wurzeln deines Selbst.

Eine Übung für heute

Setze dich heute bewusst hin und widme eine Minute jeder der neun aufgeführten Tugenden, beginnend mit Demut und endend mit Selbstbeherrschung. Frage dich in Stille: Wo habe ich diesen Tag noch nicht aus einer Haltung des Geistes gehandelt? Lass diese Fragen als sanfte Einladung dienen, den Geist von Egoismus zu reinigen.

Kernlehren

  1. Die Neun Säulen der Reinheit
    Krishna listet hier nicht zufällige moralische Regeln auf, sondern den notwendigen inneren Zustand (Antahkarana-shuddhi), um das Feld des Selbst zu erkennen. Ohne diese neun Qualitäten bleibt die Unterscheidung zwischen dem vergänglichen Körper und dem ewigen Bewusstsein unmöglich.
  2. Demut als Tor zur Wahrheit
    'Amānitvam' (Demut) wird an erster Stelle genannt, da das Ego der größte Schleier ist, der die Erkenntnis von Brahman blockiert. Nur wer sich klein fühlt vor dem Göttlichen, kann den wahren Wert seiner eigenen Seele und des Universums erkennen.
  3. Die Praxis des Selbstvertrauens durch Disziplin
    'Ātmavinigrahaḥ' (Selbstbeherrschung) ist das Ergebnis aller anderen Tugenden; sie erlaubt es dem Geist, nicht von den Sinnesobjekten weggetrieben zu werden. Diese innere Festigkeit schafft die Stabilität ('Sthairyam'), um im Fluss des Lebens unerschütterlich zu bleiben.

Themen

Ethische TugendenSelbstbeherrschungJnana YogaDemut und AufrichtigkeitGeistige ReinheitUnterscheidung der Realität

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Lies als Nächstes

  1. 2.47 — Nachdem du die innere Reinigung verstanden hast, erinnert dich dieses Vers daran, dass deine Pflicht im Handeln liegt und nicht in der Anhaftung an Ergebnisse.
  2. 3.30 — Dieser Vers vertieft das Thema Selbstbeherrschung durch die Hingabe aller Handlungen an Krishna, was den Kern von 'ācāryopāsanaṃ' (Verehrung des Lehrers) erweitert.
  3. 12.15 — Um zu verstehen, wie die Tugenden der Gewaltlosigkeit und Geduld in Krishna selbst manifest sind, ist dieser Vers ein perfektes Gegenstück zur Beschreibung seiner Eigenschaften.

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Häufige Fragen

Ist 'Ahimsa' (Gewaltlosigkeit) nur das Nicht-Töten von Lebewesen?
Nein, in diesem Kontext geht Ahimsa weit darüber hinaus; es bedeutet auch Gewalt im Denken und Sprechen. Es erfordert einen Geist, der frei von Hass, Rachegefühlen oder aggressiven Absichten ist, selbst wenn man physisch nicht schadet.
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